Die Mär der kurzen Texte

Bei vielen herrscht noch immer der Irrglaube vor, dass Texte im Web besonders „kurz und knackig“ sein sollten. Lange Texte liest ohnehin keiner – oder? Was es mit diesem hartnäckigen Gerücht auf sich hat, woher es kommt und warum es einfach nicht verschwinden will, haben die beiden Geschäftsführer von Widerhall – Mag. Jörg Hasenleithner und Mag. Michael Allerstorfer – nun ein für alle Mal geklärt.

Google und Leser erwarten eine gewisse Textlänge

Haben Sie schon einmal eine Tageszeitung von vorne bis hinten komplett durchgelesen? So richtig von A bis Z? Nein? Das macht ja eigentlich auch niemand. Trotzdem gibt es in Qualitätszeitungen nicht nur kurze Texte, sondern vor allem aussagekräftige Headlines und dazu oft sehr lange Texte. Dies ist – sowohl in der realen als auch in der digitalen Welt – der Long-Tail-Suche geschuldet. Menschen scannen sehr spezifisch die Headlines und erwarten dann, sofern sie etwas Interessantes gefunden haben, auch eine spezifische Antwort oder Erklärung dazu. Das heißt also, eine Neugier weckende Headline, gefolgt von einem nur sehr kurzen Text, würde eher das Gegenteil von dem bewirken, was Autoren oder Redakteure wollen: Die Leser wären frustriert, würden schnell weiterblättern und nach einiger Zeit die Zeitung wahrscheinlich nicht mehr kaufen. Genauso funktioniert es im Web auch. Folgt der Headline kein interessanter Text, der dem Leser alle nötigen Informationen in ausführlicher Form bietet, wird sich dieser schnell verschaukelt vorkommen und vermutlich auf einer anderen Website weitersuchen.

Die Textlänge ist entscheidend, online und offline

Aber nicht nur der Leser, sondern auch Google erwartet eine gewisse Textlänge: 600 – 800 Wörter sind laut Google-Index die Ideallänge, um dem Leser alle nötigen Informationen zu geben. Auch hier gilt es, zu liefern, was die Zielgruppe erwartet und lesen möchte. Wird dies bei SEO-Texten berücksichtigt, belohnt Google mit entsprechender Sichtbarkeit. Dabei ist noch zu beachten, dass es wenig sinnvoll und zielführend ist, alle Infos in eine „Textwurst“ zu packen. Wie die Texte in jeder guten Zeitung auch, brauchen SEO-Texte Struktur. Zwischenüberschriften, Tabellen und Aufzählungen lockern das Textbild auf, helfen bei einem logischen Textaufbau und werden – von Google und den Nutzern gleichermaßen – gerne gesehen. Apropos logischer Textaufbau: Wie schon im Deutschunterricht gelernt, sollten SEO-optimierte Texte nach der News-Pyramide aufgebaut werden. Das bedeutet, alle wichtigen Infos und die Beantwortung der W-Fragen gehören an den Beginn.
Es heißt also nach wie vor: Gutes Texten will gelernt sein, egal ob real oder digital. Und vor allem: Nicht immer – und schon gar nicht digital – liegt in der Kürze die Würze.

Wie wir das Internet (heutzutage) durchsuchen!

Das generelle Suchverhalten auf Google hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Waren es zu Beginn immer einzelne Begriffe, nach denen gesucht wurde, ist mittlerweile die Long-Tail-Suche Standard. Heute bestehen nur etwa 2,8% der Suchanfragen aus einem einzigen Wort, 41,7% jedoch aus vier bis fünf Suchbegriffen. Der Trend geht – dank Siri, Cortana und Co. – immer mehr in die Richtung, Suchanfragen so zu formulieren, als würde man mit einem Menschen sprechen. Wenn vor wenigen Jahren der Suchbegriff noch lautete „Wetter Linz“, dann hat sich das mittlerweile zu „Wie wird das Wetter diese Woche in Linz?“ gewandelt. Google passt sich dem veränderten Suchverhalten der Nutzer immer wieder an. Das heißt für Website-Betreiber also, zuerst eine ausführliche Keywordanalyse durchzuführen und anschließend SEO-Texte nach den, für die eigene Zielgruppe relevanten, Long-Tail-Begriffen zu optimieren.
Und keine Angst vor langen Texten: Die Aussage „Unsere Kunden lesen nicht!“ ist in das Reich der Fabel zu verweisen. Diese Mär hat entweder damit zu tun, dass der Aufwand gescheut wird, ordentliche Texte zu verfassen, und/oder dass die Unwissenheit, wie der Google-Algorithmus funktioniert, noch zu groß ist.

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