BARRIEREFREIHEIT BEI WEBSITES – SINNVOLL ODER NUR NOTWENDIGES ÜBEL?

Das Wort Barrierefreiheit wurde mit Ende der Übergangsfrist zum Grund für viele ratlose Gesichter. Gesetzlich verankert aber vielerorts bei Agenturen noch immer unbekannt. Zu Recht viele verunsicherte Unternehmen und Verantwortliche. Was heißt Barrierefreiheit wirklich? Ist es teuer, gibt es Judikatur dazu? Wir klären auf.

WCAG 2.0 AA

Technisch gesehen bedeutet Barrierefreiheit, dass die Website WCAG 2.0 AA erfüllen muss. Dies ist eine technische Vorgabe (sogenannter Standard) die im Wesentlichen einfach umzusetzen ist. Bei ein paar Details wird es allerdings für die meisten Unternehmen problematisch. Zwei A, also AA bedeutet nämlich, dass die Website für alle Schaltflächen und optischen Gestaltungen einen gewissen Kontrastwert aufweisen muss. Und zwar 4.5:1 für normalen Text (Fließtext) und 3:1 für großen Text, wie z.B. Überschriften. Dies hört sich zwar erreichbar an, tatsächlich gibt es für viele Unternehmen Design-Vorgaben (CI/CD Manual) wo diese Werte nicht erreicht werden können. Jetzt kann man entweder die Website umgestalten oder einzelne Farben im Web dunkler machen. Aber die Praxis zeigt, dass hier meist nicht reagiert wird, da dies für viele Unternehmen und Agenturen einen zu großen Eingriff in die Gestaltungsfreiheit darstellt. Da es noch keine Judikatur und auch keine Erfahrung bei Schlichtungsstellen gibt, kann man dies derzeit sicher noch so handhaben. Inwieweit die Kontraste ausjudiziert werden bleibt daher offen.

TASTATURBEDIENBARKEIT

Ein wesentlicher Punkt der Vorgaben ist es, dass die Website über die Tastatur bedienbar sein muss. Dazu gibt es verschiedene Zugangsformen. Die einen Prüfinstitute empfehlen eine eigene Leiste mit Sprungmarken zu Navigation und Inhalt, andere wiederum verzichten darauf und fordern nur die mögliche Erreichbarkeit mit der Tastatur. Schwierig wird die Tastaturbedienbarkeit bei Videos und sonstigen interaktiven Elementen wie z.B. Slider (sich abwechselnde Galerien). Zum Glück sterben Adobe Flash Inhalte mittlerweile aus, da für HTML5 Videoplayer eine Tastaturbedienbarkeit weitaus einfacher zu realisieren ist. Ihre Besucher mittels Smartphones werden Ihnen dies ebenso danken, weil größere und exponiertere Schaltflächen einfacher zu bedienen sind.

ALTERNATIVE TEXTE, ÜBERSCHRIFTENSTRUKTUR

Bilder sind für Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit nicht sichtbar. Im HTML Code gibt es daher das „alt“ Attribut, das es ermöglicht einen alternativen Text für Bilder einzugeben. Dieses Attribut ist verpflichtend und daher für einen validen Quellcode notwendig. Im Sinne der Barrierefreiheit ist es auch gefordert hier möglichst sprechende und das Bild beschreibende Texte einzufügen.

Für Überschriften gilt, dass dies der Raster ist mit dem sich ein Mensch über eine alternative Darstellungsform durch den Text navigiert. Daher ist es notwendig die Überschriften hierarchisch zu gliedern und Textabschnitte entsprechend mit Überschriften auszustatten. Übrigens, wer in dieser Hinsicht eine Website für blinde Menschen optimiert tut nicht nur für die Barrierefreiheit was gutes, sondern auch Google sieht die Seite wie ein blinder Mensch und es verbessert sich daher die Optimierung für Suchmaschinen wesentlich.

KOSTEN BARRIEREFREIHEIT?

Ist eine Website barrierefrei zu machen teuer? Keineswegs! Möchte man sowieso bei Suchmaschinen gute Plätze erreichen und eine Website haben die auf allen Darstellungsformen korrekt angezeigt wird führt an der Barrierefreiheit kein Weg vorbei. Es ist vielmehr ein Qualitätskriterium, welches definiert werden muss. Für einen guten Entwickler ist es heute selbstverständlich eine Website weitgehend barrierefrei zu gestalten. Fehler im Quellcode sind so oder so nicht zu tolerieren. Wir empfehlen hier auf externe Prüfwerkzeuge zurückzugreifen um die Validität des Quellcodes sicherzustellen.

Wir gehen davon aus, dass ein verstärkter Fokus auf die Barrierefreiheit zu einer Konsolidierung des Marktes führen wird. Programmierer, welche einfach nur fertige Open Source Software konfigurieren und Farben anpassen werden sich über kurz oder lang am Markt nicht mehr behaupten können, da die technische Expertise nicht ausreicht. Mittlerweile eben auch nicht mehr ausreicht um den gesetzlichen Anforderungen zu genügen.

PRAXISTIPP BARRIEREFREIHEIT

Die Barrierefreiheit ist ein guter Anlass um die eigene Website fit für die modernen Anforderungen zu machen. Der Mitbewerb ist nur einen Klick entfernt, daher bedarf eine Website regelmäßiger Wartung und Pflege. Macht man die eigene Seite fit für alternative Darstellungsformen so geht die Suchmaschinenoptimierung gleich mit. Erreicht man allerdings bei den Kontrasten wegen der eigenen CI/CD Vorgaben nicht die erforderlichen Werte muss man nicht sofort alles ändern. Grundsätzlich empfehlen wir einzelne Websites von spezialisierten Prüfinstituten auf Barrierefreiheit hin testen zu lassen. Hier bekommt man dann eine fundierte Aussage und kann seine Handlungen danach ausrichten. Wir unterstützen Sie gerne bei der Auswahl des Prüfinstitutes, Einschätzung, Beratung und Umsetzung.

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